Das Harnsystem

Aufbau und Funktion des Harnsystems

Das Harnsystem besteht aus den Nieren, den Harnleitern, der Harnblase und der Harnröhre (Abb. 1). Die Nieren haben die Funktion, Stoffwechselabbauprodukte sowie Wasser aus dem Blutkreislauf herauszufiltrieren. Der dadurch gebildete Urin wird über die Harnleiter in die Harnblase geleitet.

Die Harnblase (siehe Abb. 2) liegt im unteren Bereich der Bauchhöhle hinter dem Schambein. Sie ist ein Hohlorgan, das von einer Schicht glatter Muskulatur (2) umgeben ist. Ihre Funktion besteht darin, den Urin, der aus den beiden Harnleitern (1) kommt, die in das Organ münden, zu sammeln und über die Harnröhre (4) nach außen zu leiten und auszuscheiden. Die Harnblase wird durch einen speziellen Verschlussmechanismus - Schließmuskel (3) und Beckenbodenmuskulatur - verschlossen, so dass vor der normalerweise willentlich gesteuerten Entleerung kein Urin verloren wird.

Die Steuerung der Blasenentleerung

Abb. 3: Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase

Im entleerten Zustand (siehe Abb. 3a) ist der Blasenmuskel entspannt und der Schließmuskel angespannt, die Blase ist verschlossen. Während der Füllung (siehe Abb. 3b) bleibt der Blasenmuskel weiterhin entspannt und der Schließmuskel angespannt, die Blase ist verschlossen. Während der Blasenfüllung registrieren die Nerven in der Blasenwand ständig Füllungszustand und melden ihn an das Gehirn (siehe Abb. 4).

Ist die Blase gefüllt, erfolgt über die Nerven eine Meldung an das Gehirn, dass eine Entleerung stattfinden muss. Die Entleerung kann willentlich gesteuert werden. Während der Entleerung (siehe Abb. 3c) entspannt sich der Schließmuskel, d. h. der Blasenauslass öffnet sich und der Urin kann abfließen. Gleichzeitig kommt es zu einer Anspannung des Blasenmuskels, so dass der Urin zusätzlich aus der Blase gedrückt wird. Nach beendeter Entleerung spannt sich der Schließmuskel wieder an, die Harnröhre wird verschlossen und der Blasenmuskel entspannt sich (siehe Abb. 3a).

1) Gehirn
2) Rückenmark
3) Harnblase
4) Nervenbahnen
5) Schließmuskel/Beckenbodenmuskulatur

Die kleinen Unterschiede

Die Funktion der Nieren und des ableitenden Harnsystems sind bei Frau und Mann identisch. Durch die Anatomie - im Wesentlichen geprägt durch die Geschlechtsorgane - gibt es jedoch Unterschiede "unterhalb" der Blase (siehe Abb. 5 und 6).

Abb. 1: Anatomie des weiblichen Urogenitalsystems, Abb. 2: Anatomie des männlichen Urogenitalsystems

Die Harnröhre, durch die der Urin von der Harnblase nach außen geleitet wird, hat bei Männern eine Länge von ca. 20 cm und endet an der Spitze der Eichel am Penis. Bei Frauen ist sie durch die anatomischen Verhältnisse hingegen nur drei bis vier Zentimeter lang und endet im Scheidenvorhof. Dadurch und durch die Nähe der Harnröhre zum Darmausgang sind Frauen insgesamt anfälliger für Harnwegsinfektionen als Männer.

Beim Mann befindet sich unmittelbar unterhalb der Blase die Vorsteherdrüse (Prostata). Diese kann bei einer Vergrößerung den Verschlussmechanismus der Blase beeinflussen. Dadurch kann es zu einer erschwerten Entleerung - auch bei ansonsten intaktem Harnsystem - kommen.

Bei der Frau wird der Beckenboden, der mit zum Verschlussmechanismus der Blase gehört, zusätzlich vom Geburtskanal (Vagina) durchbrochen. Vaginale Geburten oder auch ein Gebärmuttervorfall können zu einer Schädigung des Beckenbodens und damit des Verschlussmechanismus der Blase führen. Bei einer Schwangerschaft kann ein zusätzlicher Druck auf die Blase ausgeübt oder sie kann in ihrer Lage verändert werden, auch dabei sind Fehlfunktionen der Blasenentleerung möglich.

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