Neurogene Detrusorüberaktivität

Neurogene Blasenfunktionsstörung

Eine neurogene Detrusorüberaktivität ist die Folge einer Schädigung des Nervensystems durch Erkrankungen, Unfälle oder angeborene Fehlbildungen. Unfälle mit traumatischer Querschnittslähmung stellen dabei die Hauptursache der erworbenen Störungen dar.

Durch eine Schädigung des Nervensystems ist das Zusammenspiel aller an der Harnspeicherung und -entleerung beteiligten Nerven und Organe gestört, die Miktion kann nicht kontrolliert erfolgen. Dabei ist für das Krankheitsbild der neurogenen Detrusorüberaktivität ausschlaggebend, an welcher Stelle die Schädigung des Nervensystems stattgefunden hat.

Diagnostik und Therapie der neurogenen Detrusorüberaktivität

Diagnostik

Da die neurogene Detrusorüberaktivität zu einer Nierenschädigung führen kann, sind eine frühzeitige Diagnose und eine anschließende Therapie zwingend erforderlich.

Bei der Diagnostik der neurogenen Detrusorüberaktivität werden die Art und Schwere der Fehlfunktion von Blase und Schließmuskel, die Funktion von Nieren und Harnleiter sowie die zugrundeliegende neurologische Erkrankung untersucht. Die Zusammenschau der hierbei gewonnenen Erkenntnisse bildet die Grundlage für die gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeitenden therapeutischen Optionen.

Da Schäden des zentralen und peripheren Nervensystems derzeit noch nicht heilbar sind, können lediglich die Auswirkungen dieser auf den unteren Harntrakt behandelt werden. Daher sind der Schutz der Nieren, die Kontinenz sowie die komplette Blasenentleerung Ziele der Therapie bei neurogener Detrusorüberaktivität.

Konservative Therapie

Die derzeitige Standardtherapie der neurogenen Detrusorüberaktivität ist das kontrollierte Entleeren der Blase durch intermittierenden Selbstkatheterismus in Kombination mit anticholinergen Substanzen, die als Tabletten oder auch als Instillation (Einbringung) in die Harnblase verabreicht werden können. Aufgrund der medikamentösen Behandlung wird der Blasendruck gesenkt und damit die Nieren geschützt sowie die Kontinenz des Patienten erreicht. Im Rahmen der medikamentösen Therapie kann es allerdings zu Nebenwirkungen wie Sehstörungen und Mundtrockenheit kommen.

Beim intermittierenden Selbstkatheterismus legt sich der Patient vier bis fünf Mal täglich selbst einen Katheter zur einmaligen Blasenentleerung. 

Minimalinvasive Therapie

Eine Alternative zur konservativen Therapie der neurogenen Detrusorüberaktivität ist die Injektion von Botulinumtoxin A in den Blasenmuskel. Damit wird die unkontrollierte Kontraktion des Blasenmuskels durch Blockade der Rezeptoren unterbunden. Die Blase ist wieder in der Lage, Urin zu speichern. Die Wirkung einer einmaligen Injektion des Toxins hält durchschnittlich fünf bis sieben Monate an. Die Patienten müssen in den meisten Fällen zusätzlich den intermittierenden Selbstkatheterismus durchführen, da die Lähmung des Blasenmuskels zu hohen Restharnmengen führt. Botulinumtoxin A ist derzeit noch nicht zur Anwendung an der Harnblase zugelassen.

Operative Therapie

Sind die konservativen und minimalinvasiven Maßnahmen zur Therapie der neurogenen Detrusorüberaktivität nicht erfolgreich, so kann eine Operation notwendig werden. Diese schließt unter anderem die Harnableitung durch die Bauchdecke ein. Dadurch wird sowohl die Kontinenz als auch der Schutz des oberen Harntraktes erreicht. Darüber hinaus können auch Verfahren der Blasenerweiterung (Augmentation) zur Anwendung kommen.

Da alle operativen Verfahren ein erhöhtes Komplikationsrisiko für den Patienten bergen, sollte zunächst eine konservative Therapie der neurogenen Detrusorüberaktivität angestrebt werden. In einigen Fällen ist jedoch bisher die eine operative Maßnahme die einzige Option.

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