Fakten und Zahlen zur Harninkontinenz

Unwillkürlicher Harnverlust

Die International Continence Society definiert Harninkontinenz als jeden unwillkürlichen Harnabgang, d.h. wenn es Betroffenen nicht (immer) möglich ist, Zeitpunkt und Ort der Harnausscheidung zu kontrollieren. Dabei geht der Harn entweder ständig oder nur in bestimmten Situationen tröpfchenweise ab. Somit ist Harninkontinenz an sich kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Symptom für eine zugrunde liegende Erkrankung des Harnsystems.

Da eine Harninkontinenz unterschiedliche Ursachen haben kann und sie sich an vielfältigen Symptomen zeigt, wird sie in verschiedene Formen unterteilt. Dazu zählen unter anderem:

Tabuisierung der Harninkontinenz

Harninkontinenz ist in unserer Gesellschaft durch eine starke Tabuisierung gekennzeichnet. Die Fähigkeit zur Blasenkontrolle ist ein Meilenstein in der kindlichen Entwicklung. Menschen, die diese Kontrolle nicht mehr vollständig haben, isolieren sich oft aus Schamgefühl, indem sie gewohnten Tätigkeiten wie Theaterbesuchen, sportlichen Aktivitäten oder auch Reisen nicht mehr nachgehen.

Aufgrund der weit verbreiteten Tabuisierung der Harninkontinenz, variieren die Angaben zur Häufigkeit in der Literatur stark.

Häufigkeit der Harninkontinenz

Harninkontinenz ist eine weit verbreitete Erkrankung, die in allen Kulturen vorkommt. Allein in Deutschland sind schätzungsweise sechs bis acht Millionen Menschen davon betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Erkrankten an.

Sowohl Männer als auch Frauen können von einer Harninkontinenz betroffen sein, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer. Mit steigendem Lebensalter nähert sich die Häufigkeit der Erkrankung zwischen den Geschlechtern allerdings an. Die Häufigkeiten der jeweiligen Harninkontinenzformen unterscheiden sich bei Frauen und Männern stark.

Häufigkeit der Harninkontinenz bei Frauen

Unabhängig vom Lebensalter sind Frauen generell häufiger von Harninkontinenz betroffen als Männer. Dafür sind in erster Linie die Anatomie und Physiologie des Beckens verantwortlich.

Aufgrund der Fähigkeit zu Schwangerschaft und Geburt ist das weibliche Becken flexibler als das männliche. Der weibliche Beckenboden wird durch Schwangerschaft und Geburt stärker beansprucht. Darüber hinaus verfügt er über mehr Durchgänge für Harnleiter, Vagina und Rektum, was die Festigkeit dieses muskulären Beckenabschlusses schwächt. Harninkontinenz tritt allerdings aufgrund des Östrogenmangels auch häufig nach der Menopause auf.

Während junge Frauen oft unter einer reinen Belastungsinkontinenz leiden, wachsen mit steigendem Lebensalter die Anteile von Dranginkontinenz und Mischinkontinenz.

Häufigkeit der Harninkontinenz bei Männern

Männer sind, vor allem in jungen Jahren, weitaus seltener von Harninkontinenz betroffen als Frauen. Das liegt hauptsächlich daran, dass der männliche Beckenboden keiner Druckbelastung durch Schwangerschaft und Geburt ausgesetzt ist.

Männer aller Altersstufen sind hauptsächlich von der überaktiven Blase und Dranginkontinenz betroffen. Bei jüngeren Männern tritt eine Harninkontinenz meist nur infolge einer neurologischen Erkrankung oder durch Blasen- und Harnröhrenverengungen, Harnsteine sowie Blasenentzündungen auf. Die seltene angeborene männliche Inkontinenz aufgrund anatomischer Defekte wird normalerweise bereits im Kindesalter operativ korrigiert. Bei älteren Männern lassen eine erschwerte Blasenentleerung und Restharn auf eine mögliche gutartige Vergrößerung der Prostata schließen.

Harninkontinenz im Alter

Harninkontinenz ist neben Demenz und Stuhlinkontinenz bei den über 65-Jährigen eine der häufigsten Alterserkrankungen.

Gründe dafür können u.a. sein:

  • Funktionsstörungen des Harntraktes
  • geringere Speicherkapazität der Harnblase
  • schwächerer Harnfluss
  • Alterungsprozess der Beckenbodenmuskulatur
  • Erkrankungen, wie z. B. Schlaganfall, Demenz, Diabetes mellitus, Herzschwäche, Morbus Parkinson
  • Einnahme Harninkontinenz-fördernder Medikamente

In Alters- und Pflegeheimen liegt die Zahl der an Harninkontinenz leidenden Patienten deutlich über dem Durchschnitt. Altersbedingt sind hier 60 bis 78 Prozent der Frauen und 45 bis 72 Prozent der Männer betroffen. Bei pflegebedürftigen Personen kommt die Dranginkontinenz am häufigsten vor. Die Ursachen dafür sind u.a. eine geringe Mobilität und die damit verbundenen Schwierigkeiten, rechtzeitig zur Toilette zu gelangen. Darüber hinaus ist eine vorliegende Harninkontinenz oft der ausschlaggebende Grund für die Einweisung in ein Heim.

Videos zur Beckenbodengymnastik

Regelmäßiges Training stärkt den Beckenboden.

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